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Cogito, ergo sum.    


2011 12011 3   Februar 2011  
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Eintrag von thulile am 8.2.2011



Ehrlich, ich hasse das.
Vielleicht sollte ich einfach aufhören, Bücher zu lesen, die mich nur entfernt an all die Verlorenen denken lassen. Vielleicht.
Aber es sind nicht mal nur die, es kommt einfach so. Ich bin an einem Ort und denke: "Hey, hier seit ihr aus dem Bus gestiegen, als du es erfahren hast." Oder ich sehe Personen, die ihnen einfach irgendwie ähneln. Und dann geistern sie wieder, in meinem Kopf, manchmal nur ganz schwach, zumindest am Tag. Da bin ich abgelenkt, da gibt es anderes zu tun, da fällt das Verdrängen leichter. Wenn es laut ist und da Leben ist.
Aber so ein Tag dauert nicht ewig, dann kommt die Nacht und ich lieg im Bett. Da gibt es nichts zu tun, außer abschalten; aber die Gedanken, sie sind wie lästige Fliegen. Kommen wieder und wieder, schwirren umher und lassen einen nicht in Ruhe.
Ich hasse das, wenn sich das Herz vor Schmerz zusammenzieht, dieses dumpfe Pochen die Kehle hinaufschleicht, der Kiefer schmerzt und das Gesicht kribbelt vor Nässe. Ich hasse dieses zittrige Luftholen, dieses zusammenkrümmen. Ich hasse dieses Leiseseinmüssen, weil die Tür offen ist und es keiner hören soll. Weil ich ihnen dann sagen müsste, dass ich noch lange nicht damit klarkomme, ob es nun vor einem oder bald sechs Jahren war..
Ich hasse den Gedanken, dass das alles so beschissen unfair ist. Dass sie keine Chance hatten zu kämpfen oder nicht mehr kämpfen konnten, obwohl sie wollten. Dass sie nicht mehr leben dürfen, obwohl sie es doch verdient haben.
Und ich hasse es, mir zu wünschen, alles ändern zu können. Meinem Vater wieder eine Mutter zu geben, damit er endlich wieder eine Familie außer uns hat. Weil man seinen Idioten von Bruder vergessen kann, der es nicht mal schafft, seinen Bruder zu seinem 50. neben sich sitzen zu lassen.
Weil sie ihre Zwillingsschwester wiederhaben soll, nicht länger aufwachen soll mit der Gewissheit, dass alles wieder immer nur irgendwie leerer ist.
Weil wir alle sie brauchen - die Omas, die Freundinnen.
Ich hasse es, dass es so ist und dass man nichts machen kann. Ich hasse dieses Weinen und Trauern, das alles nur noch schlimmer macht.
Ich hasse es, wenn ich denke, dass es geschafft ist und es dann doch nur wieder von vorne losgeht. Bis ich dann irgendwann daliege, mit klopfendem Herzen, aber klaren Blick. Bis zum nächsten Mal.


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